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Palliative Care versus begleiteter Suizid? Drucken E-Mail

Seit Ende Sebtember 2007 ist der Sterbehilfeorganisation Dignitas ein Sterbedomizil in einer Zürcher Mietwohnung gekündigt worden.
Es folgte eine Kündigung nach der Anderen. Keiner will Dignitas zum Mieter haben.
Das Ganze Procedere nimmt langsam groteske Züge an.

 
Zuletzt warf das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" Dignitas pharisäerhaft vor, in einem Auto auf einem Parkplatz Beihilfe zum Suizid geleistet zu haben.
Im ganzen Spektakel, welches ich nicht mehr nachvollziehen kann, werden nun Stimmen laut, welche statt begleiteten Suizid Palliative Care favorisieren wollen.
Dazu soll es "Untersuchungen "geben, welche beweisen, das Suizidwillige bei Angebot von Palliative Care lieber dieses beanspruchen würden. Nachdem nun der begleitete Suizid und die Palliativ Care, welche seit Jahren nebeneinander bestehen, nichts neues mehr sind, wird jetzt so getan als bestünde die Wahlmöglichkeit erst jetzt. 
Eine gute Gelegenheit für parlamentarische Trittbrettfahrer uns allen die Wahrheit zu erläutern.
Suizidwillig sind die Betroffenen nicht erst kurz vor zwölf, sondern sie sind Mitglied einer Sterbehilfeorganisation, auch wenn sie noch keinen Grund haben Suizid zu begehen. Also gut überlegt mit ureigensten Gründen möchte ich unterstellen.
Jetzt die Palliativ Care (PC) zu bemühen und als Rettungsanker für Suizidwillige zu verkaufen ist zu kurz gesprungen.
Die PC ist nicht irgendeine Handelsware, sie ist ein Konzept. Von Menschen gemacht und selbstverständlich auch mit Vor-und Nachteilen.
Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) hat medizinische und ethische Richtlinien zur Palliativ Care herausgegeben. Nämlich:
Zu den Missverständnisssen und überhöhten Erwartungen der PC gehört das:
Alle belastenden Symptome immer genügend gelindert werden können;
Palliative Care gleichbedeutend ist mit dem Verzicht auf kurative Behandlungsansätze
Das Sterben so beeinflusst werden kann, dass es immer zu einem friedlichen Sterben kommt
Und wer nun meint Gefahren in der PC gibt es keine sieht sich getäuscht.
Zu den Gefahren gehört, laut SAMW, das
Palliative Care ausschliesslich an Spezialisten delegiert wird
Palliative Care zum Ersatz von sinnvollen kurativen Optionen wird
Palliative Care aufgrund ökonomischer Überlegungen zur Vorenthaltung von medizinischindizierten
Massnahmen eingesetzt wird.
Den "Vorteil" des Suizids dagegen muss ich denke ich nicht erläutern. Den Nachteil überlasse ich den versch.Weltanschauungen..
Wer als Pflegefachperson tätig ist wird ebenfalls schon so manchmal über die Vor-und Nachteile der "Bedarfsmedikation" geschmunzelt haben. Insbesondere bei Sterbenden.
Zum besseren Verständnis, ich bin keine Anhänger des Suizids, weder begleitet noch sonstwie.
Da aber Vor-und Nachteile bei beiden Konzepten nicht ausgeschlossen sind und Missbrauchspotential überall vorhanden ist wo Menschen sind, muss die Entscheidung über das Grössere oder kleinere Übel dem mündigen Bürger überlassen werden.
Ein Konzept gegen das Andere aufzurechnen und gar als gut oder schlecht abzutun wird keinem gerecht.
Wenn es aber etwas positives aus dem Spektakel gibt, dann wohl , das Palliative Care, wieder in aller Munde ist.

2007-11-28 EH

Medizinisch-ethische Richtlinien und Empfehlungen der Palliative Care

 
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