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Pflegenotstand im Fokus Drucken E-Mail

In der heutigen Ausgabe der "Südostschweiz" berichtete sie über die am 27. November stattgefundene Podiumsdisskussion des SBK (Schweizerischer Verband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner) Graubünden in der Churer Psychiatrischen Klinik Waldhaus.
 


Die Veranstaltung eröffnete Max Mäder (Prorektor des Bildungszentrums für Gesundheit in Frauenfeld) mit dem Hinweis, dass laut WHO die Professionelle Pflege eine gesellschaftliche Aufgabe sei und zunächst nicht die Kosten sondern deren Finanzierung im Mittelpunkt zu stehen habe.  Doch da, so Mäder, gibt es ein grosses Problem.
Oft sprechen Leute über das Gesundheitswesen welche wenig von Pflege verstehen.
Und die die es verstehen kommen nicht zu Wort oder sind an der falschen Stelle.
Im weiteren Verlauf der Disskussion wurde herausdisskutiert, das es einen Pflegenotstand als Solchen nicht gibt, sondern wohl eher von einem Versorgungsnotstand zu sprechen ist.
Eine vorsätzliche Verknappung von Pflegeleistungen führe eben zu einer sinkenden Versorgungsqualität, und diese widerum steigert die Erkrankungshäufigkeit und das Sterberisiko in der Gesellschaft.
Folgekosten wären das nächste Übel und das Vertrauen in das Gesundheitswesen sinkt.
Über diese bekannten Kausalzusammenhänge herrschte Einigkeit, müssen dennoch in der Öffentlichkeit immer wieder klar gemacht werden.
Da Versorgungsnotstand aber nicht ohne Bildungspolitik einhergeht, war auch diese Thema der Podiumsdisskussion.
Die Bilanz der Personalrekrutierung war nüchtern. Immer weniger wollen einen Pflegeberuf erlernen.
Fachpersonal könne aber nur über eine qualitativ hochwertige Ausbildung gewonnen werden.
Die sich in den letzten Jahren jagenden Reformen und noch mangelnd organisierten Neukreationen von Berufsbildern in der Pflege hinterlassen bei potentiellen Bewerbern eben einen faden Beigeschmack und sorgen für eine Unsicherheit in der Berufswahl, vor allem junger Leute. Nicht zu vergessen ist die Pflege immer noch ein ärztlicher Assistenzberuf, wo man sicherlich eine Professur ablegen kann, jedoch keine Verordnungen treffen darf. Von einer möglichen Selbständigkeit ganz zu schweigen.
Da bieten sich dann schon eher andere Berufsgruppen an.
Von einer vermehrten Rekrutierung aus dem Ausland allerdings versprechen sich die Teilnehmer keine Lösung des Problemes.
Ein Zuhörer bemerkte zum Thema, dass es der Pflege grundsätzlich schadet vom eigenen Berufsbild als "Pflegende" zu sprechen.
Pflegende sind Andere auch. Wir sind Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner.
Wir sollten unseren Sprachgebrauch überprüfen und anpassen, uns also selbst wertschätzen und hochschätzen.
Alle Punkte des komplexen Themas konnten an dem Abend natürlich nicht abgehandelt werden, aber den Schwung der Disskussion haben hoffentlich alle Teilnehmenden in ihre Einrichtungen mitgenommen.


2007-11-30 EH

Teilnehmer an der Podiumsdisskussion waren:
Max Mäder Prorektor des Gesundheitszentrums in Frauenfeld
Mario Cavigelli Grossrat und Präsident des Bündner Spital und Heimverbandes
Barbara Gassmann Vizepräsidentin des SBK Schweiz
Veronika Niederhauser, Direktorin des Bildungszentrums für Gesundheit und Soziales in Chur
Pia Felchlin, Leiterin Ausbildung Pflege des Kantonsspitals Graubünden
Thomas Pfiffner, PDL Seniorenzentrum-Rigahaus Chur

 
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